Die Heimatfreunde Stockum/Düren begaben sich auf eine Zeitreise durch die deutsche Geschichte und entdeckten die eigene Geschichte: Wir unternahmen einen Rundgang durch die Dauerausstellung „Unsere Geschichte Deutschland seit 1945“ im Haus der Geschichte in Bonn. Zeitzeugen begleiteten uns auf dem Weg vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis zur Gegenwart.

Wir wurden konfrontiert mit der Last der Vergangenheit, besonders mit der Teilung Deutschlands und der Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945. Damit endete der von Deutschland entfesselte Zweite Weltkrieg. Viele Menschen sind tot oder gelten als vermisst; Familien wurden getrennt und Kinder suchten ihre Eltern. Deutschland wurde durch die Alliierten in vier Zonen aufgeteilt. Es folgten schwere Nachkriegsjahre; die Wirtschaft des Landes war stark zerrüttet. Die Grundversorgung wurde durch Zuteilungen geregelt und der Schwarzmarkt blühte.

1948 wurde in den Westzonen die D-Mark eingeführt. Die Besatzungszonen entwickelten sich politisch und wirtschaftlich auseinander: Im Westen entstand mit der Bundesrepublik Deutschland eine parlamentarische Demokratie, im Osten mit der DDR eine kommunistische Diktatur nach dem Vorbild der Sowjetunion.

Die ersten Wahlen zum Deutschen Bundestag im Jahr 1949 führten zu einer stabilen Regierungsmehrheit und Konrad Adenauer wurde erster Bundeskanzler. Es folgten Wiederaufbau und Wirtschaftswunder, aber auch Kalter Krieg und die friedliche Revolution. Viele Menschen flüchteten aus politischen und wirtschaftlichen Gründen aus der DDR in den Westen. Die Berliner Mauer, die die deutsche Teilung zementierte, fiel am 9. November 1989.

Die politischen Ereignisse und Entwicklungen sind nur einige Themen dieser Ausstellung, denn auch das alltägliche Leben spielt im Haus der Geschichte eine große Rolle: Zu sehen sind vielfältige Originalobjekte aus dem Kulturbereich sowie aus der Wirtschaft und dem Weltgeschehen. Dinge und Sachen, die uns bekannt vorkommen und Erinnerungen in uns wecken. All diese alten Gegenstände sind ein Rückblick auf unsere Geschichte, die nicht in Vergessenheit geraten sollte.

Wir blickten zurück in die 1950er Jahre: Besuchten ein altes Kino, legten Klassiker in einer Jukebox auf und nahmen in einer Eisdiele Platz. Das Wirtschaftswunder wurde in einem Kaufhaus lebendig, und der Hippi-Bulli aus dem Jahr 1968 zeugte von einem Lebensgefühl einer ganzen Generation. Jeder Besucher konnte hier Dinge entdecken, sei es aus seiner Jugendzeit oder aus Omas Küche.

Jedes Objekt dieser Ausstellung hat seine eigene Geschichte, und so wird aus einer Vielzahl von Geschichten die eigene Geschichte.

Karoline Robbert

 



Verhüllt zeigt sich der Helenenturm: Die Sanierung des grandiosen Aussichtspunktes hat bereits begonnen. Es gibt viel zu tun: Zurzeit legen die Handwerker Hand an und entfernen den Zementputz aus den Fugen des Mauerwerkes. Erst wenn die Steine gesäubert worden sind, kann neu verfugt werden. Die Rahmen der eisernen Fenster werden gereinigt, gestrichen und mit neuen Glasscheiben versehen. Danach gehen die Arbeiten im Inneren des Turmes weiter. Für alle Freunde des Helenenturms und für alle kleinen und großen Spender ist das eine gute Nachricht. Der Helenenturm wird denkmalgerecht saniert. Die Arbeitsgemeinschaft der Wittener Heimatvereine packte an, richtete zwei Aktionstage aus und sammelte Spenden.

 
Hildegard Priebel und Wolfgang Lippert öffneten die Tür des sonst geschlossenen Wahrzeichen für die Besucher. Rechts sieht man den Turm mit dem Wärterhäuschen dahinter.

Unter dem Motto „Für einen Euro auf den Turm“ hielten sie den Aussichtspunkt an zwei Tagen geöffnet. Die Heimatvereine stellten sich vor und boten Kaffee und Kuchen an. Diese Aktionen haben sich gelohnt, und die Besucher spendeten großzügig, denn sie möchten, dass der Turm renoviert und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Es kamen rund 8.000 Euro zusammen, die nun gemeinsam mit dem Fördergeld des Landes NRW für die Sanierung vorgesehen sind. Auch die Volksbank sammelte auf ihrem Portal „Heimathelden“ für die Renovierung des Turmes: 2.055 Euro sind bis Anfang November 2020 zusammengekommen.

NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach (li) übergab den bewilligten Förderbescheid des Landes NRW über 185.152 Euro am Montag, 27. Juli 2020, persönlich an die Stadt Witten. Mit diesem Geld aus dem Förderprogramm "Heimat-Zeugnis" NRW und einer großzügigen Spende der Sparkasse Witten in Höhe von 50.000 Euro sowie Eigenmitteln der Stadt soll die Herrichtung und Inszenierung des Turms realisiert werden. Darüber hinaus ist jedoch weitere Unterstützung notwendig, die die Wittener Heimatvereine gerne verwirklichen möchten. Denn es gibt viel zu tun an dem 30 Meter hohen Turm mit Zinnenkranz, der an einen mittelalterlichen Bergfried erinnert: Der Putz bröckelt von den mit Graffiti beschmierten Wänden (re), die Fenster und das Geländer müssen aufgearbeitet werden. Das Mauerwerk muss neu verfugt, das Dach abgedichtet werden.

Doch bis alles für die Besucher begehbar ist, wird es noch einige Zeit dauern. Nach Beendigung der Bauarbeiten sollen auf der Aussichtsplattform Schilder angebracht werden, die das Panorama genau erklären. Außerdem soll mit interaktiven Installationen an die Geschichte des Helenenturms erinnert werden. Ein weiteres Highlight ist ein "Rundbild vom Helenenturm" photogr. aufgenommen von Friedr. Goebel, Witten a. d. Ruhr - 1886. Goebel war Hofphotograf. Dieses Panaora wird in der interaktiven Installationen gezeigt. Besucher können feststellen, welche Gebäude heute noch bestehen. Schulklassen sollen auf diese Art und Weise an die Geschichte Wittens herangeführt werden, denn von oben hat man ein hervorragenden Ausblick auf die Stadt sowie die Ausläufer von Bochum und Witten. Wenn alles fertig ist, wird noch eine Web-Cam mit Blick auf das Rathaus installiert. So wird der Turm zu einem Orts des Austausches und zu einem Stück Heimatgeschichte mit historischer Strahlkraft.


Zu dem 30 Meter hohen Turmbau kam es im Jahr 1858 nach einem Streit über verbriefte Fährentgelte über die Ruhr von Witten nach Bommern. Der Fabrikant Johann-Friedrich Lohmann klagte auf Anerkennung seiner Rechte durch die verschiedenen Instanzen bis zum Gericht in Berlin. Vertreten wurde er dort von seinem Schwiegersohn Eduard Strohn. Dessen Ehefrau Helene Strohn, geb. Lohmann, starb noch während des Prozesses bei der Geburt ihres achten Kindes. Lohmann gewann den Prozess und er bekam den strittigen Geldbetrag ausgezahlt, der sich auf einem Sonderkonto angesammelt hatte. Justizrat Eduard Strohn verzichtete auf sein Honorar und erbaute von diesem Geld zu Ehren seiner Frau Helene dieses Privatdenkmal. „So ist dieser grandiose Aussichtspunkt auch eine steingewordene Liebeserklärung“, meint Stadtführerin Hildegard Priebel, „sozusagen das Taj Mahal von Witten.“

Zur Neueröffnung und Einweihung des renovierten Denkmals ist ein Heimattag am Helenenturm geplant, dazu wird die Arbeitsgemeinschaft der Wittener Heimatvereine einladen. Die Arbeitsgemeinschaft setzt sich zusammen aus dem Bürger- und Heimatverein Heven, dem Geschichtsverein Annen, dem Heimat- und Geschichtsverein Bommern, den Heimatfreunden Stockum/Düren, dem Verein für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark und dem Förderverein Westfälisches Industriemuseum Zeche Nachtigall.

Vom Helenenturm hat man den schönsten Blick auf Witten

Fotos: Wolfgang Lippert und Karoline Robbert

Die Wittener Heimatvereine bitten um Ihre Unterstützung:
Bankverbindung: Heimatfreunde Stockum/Düren e. V.
Stichwort: Helenenturm
Sparkasse Witten: DE04 4525 0035 0000 4300 82

Weiter führte unsere Exkursion am Samstag, 25. Mai, in das Deutsche Klingenmuseum Solingen im Stadtteil Gräfrath. Solingen ist die Klingenstadt, das ist allgemein bekannt, und was Solingen einst berühmt gemacht hat, ist hier mannigfaltig ausgestellt: Schneidwaren, Hieb- und Stichwaffen des Mittelalters, die Geschichte der Tischkultur mit ihren vielfältigen Besteckformen; an wohl keinem anderen Ort Deutschlands sind diese scheinbaren Alltäglichkeiten so kompakt präsent wie hier.


Schon am Eingang begrüßt uns eine große Schere. Das Museum befindet sich in einem Gebäudeteil eines ehemaligen Klosters.


Ein Gang durch die Geschichte der Tischkultur. Durch den Erwerb zweier großer Bestecksammlungen besitzt das Museum inzwischen die umfangreichste Bestecksammlung der Welt. Dazu gehören beispielsweise Klingen von Solinger Meistern, barocke Bestecke und Speiseutensilien für die Reise.

 
Es ist aber auch ein Gang durch die Geschichte der blanken Waffen aus der gesamten Welt, vom Bronzeschwert aus dem Iran bis hin zum Prunkdegen der Neuzeit.

Hier kann man die regionale Geschichte der Klinge messerscharf erleben, manifestiert in Blankwaffen, Bestecken, Messern und Schneidgeräten. Die Vielfalt der Exponate vom bronzezeitlichen Schwert bis zum zeitgenössischen Besteck erläutert zugleich die Entwicklung und Bedeutung des Schneidens für die Geschichte der Menschheit.


Seit einem Jahrhundert wird gesammelt. Bereits im Jahr 1904 richtete die Solinger Fachschule für Metallgestaltung eine Vorbilder-Sammlung für die Schüler ein. Sehr bald wuchs dieser Fundus – durch systematische Ankäufe, Geschenke und Stiftungen. Schwerpunkte bildeten sich. Die Sammlungen wurden intensiv und weit über den ursprünglichen Solinger Bezug hinaus ausgebaut, sodass nun ein enzyklopädischer Blick auf die Geschichte alles Schneidenden möglich ist.


Besonders sehenswert sind auch diese Prachtstücke: ein aus unendlich vielen kleinen Scheren zusammengesetzter Pfau sowie eine astronomische Uhr von 1791. Sie zeigt neben der Uhrzeit auch Wochentag, Mondphase, den Lauf der Planeten sowie den Monat an. Ein Glocken- sowie ein Orgelspielwerk lassen zu festgelegten Zeiten verschiedene Melodien ertönen.

Ein absolut lohnenswerter Besuch und eine wahre Schatztruhe der Geschichte.

Text und Fotos: Karoline Robbert

31 Heimatfreunde aus Stockum und Düren nahmen an der jährlichen Exkursion am Samstag, 25. Mai 2019, teil. Sie führte diesmal ins Rheinland in das LVR-Industriemuseum Textilfabrik Cromford in Ratingen. Dort wurde im Jahre 1783 die erste mechanische Baumwollspinnerei von Johann Gottfried Brügelmann auf dem europäischen Kontinent gegründet.

Wo früher unzählige Webstühle surrten, befindet sich heute ein einzigartiges Museum, das die Verarbeitung von dem Rohstoff Baumwolle zum fertigen Garn originalgetreu an nachgebauten Maschinen aus dem 18. Jarhhundert zeigt. Auch die Arbeitsbedingungen der Frauen, Männer und Kinder in den Spinnsälen sind ein Thema bei der Führung durch die Gebäude, die vor über 200 Jahren errichtet wurden.


Die "Waterframe-Spinnmaschine" ist das Herzstück dieses Museums und funktioniert heute noch genau wie damals. Knarrend dreht sich das hölzerne, riesige Wasserrad und treibt sämtlich Spinnmaschinen an.


Klappernd spinnen die komplizierten Maschinen aus Holz und Messingzahnrädern die Baumwolle zu Garn, wie  schon vor rund 200 Jahren.

 
Das prachtvolle Herrenhaus Cromford war die Schaltzentrale des einst bedeutenden Unternehmens und gleichzeitig bürgerliches Wohnhaus der Fabrikantenfamilie Brügelmann. Es wurde im Stil eines adligen Lustschlosses des Spätbarocks erbaut. In den 14 Räumen des Gebäudes werden die Familienmitglieder wieder lebendig.


Im ersten Stock erwartet die Besucherinnen und Besucher der repräsentative Höhepunkt des Hauses: der Gartensaal. Der fast kreisrunde Saal ist an den Wänden mit klassischen Landschaftsmalereien versehen.

Im Industriemuseum Textilfabrik Cromford kann man erleben, wie es damals in einer Baumwollspinnerei zuging. Es war laut, eng und stickig. Auch über die Arbeitsbedingungen zur damaligen Zeit wurde informiert - sowie über das Schicksal der vielen Kinder die hier beschäftig waren.

Text und Fotos: Karoline Robbert