Liebe Heimatfreunde, liebe Leser,

wie die Zeit vergeht, schon wieder endet ein ungewöhnliches Jahr. Die Coronabedingungen ließen uns wenig Spielraum für Aktivitäten. Nur zu zwei Heimatnachmittagen konnten wir einladen, es ist uns gelungen die Jahreshauptversammlung  durchzuführen. Trotz allem hoffen wir auf ein besseres nächstes Jahr und planen für 2022 wieder einige Veranstaltungen. So soll die ausgefallene Fahrt nach Bonn mit Schifffahrt auf dem Rhein nachgeholt werden, und wenn es möglich ist, soll es auch wieder einen Dreschtag oder alternativ eine Pflugschau geben. Auch die beliebten Heimatnachmittage sollen ab Februar wieder stattfinden, und das Heimatstübchen möchten wir gerne nach den Weihnachtsferien regelmäßig donnerstags von 15 bis 17 Uhr geöffnet halten.

Trotz der Krise waren wir nicht untätig: Es gab wieder einen Kalender "Stockum und Düren im Wandel der Jahreszeiten" und unsere Broschüre "Einblick 13" liegt nun vor und wird an alle Mitglieder verteilt. Diesmal blicken wir weit zurück, denn wir haben uns die Geschichte der "Vila Stockum", wie das Dorf damals genannt wurde, als Thema ausgesucht. Freuen Sie sich auf einen Rückblick über die Geburtsurkunde Stockums und unsere Vorfahren sowie die wechselhafte Geschichte unseres Dorfes.

Ihre Heimatfreunde Stockum/Düren


Auf der Jahreshauptversammlung der Heimatfreunde Stockum/Düren am Mittwoch, 17. November, wurden für 25-jährige Zugehörigkeit Gudrun und Erhard Gronau (vorne und hinten rechts) geehrt. Die Urkunden wurden von der Geschäftsführerin Christel Schmidt und dem Vorsitzenden Wolfgang Lippert (vorne im Bild) überreicht. Außerdem wurde Klaus-Peter Reppel (hinten links) für seine vorbildliche, langjährige Vereinsarbeit als Schatzmeister ausgezeichnet. Er bleibt dem Verein als stellvertretender Schatzmeister erhalten. Neuer Schatzmeister wurde Udo Bilgard. Im Amt bestätiget wurden Geschäftsführerin Christel Schmidt und Archivarin Karoline Robbert

Foto: Karoline Robbert


Verhüllt zeigt sich der Helenenturm: Die Sanierung des grandiosen Aussichtspunktes hat bereits begonnen. Es gibt viel zu tun: Zurzeit legen die Handwerker Hand an und entfernen den Zementputz aus den Fugen des Mauerwerkes. Erst wenn die Steine gesäubert worden sind, kann neu verfugt werden. Die Rahmen der eisernen Fenster werden gereinigt, gestrichen und mit neuen Glasscheiben versehen. Danach gehen die Arbeiten im Inneren des Turmes weiter. Für alle Freunde des Helenenturms und für alle kleinen und großen Spender ist das eine gute Nachricht. Der Helenenturm wird denkmalgerecht saniert. Die Arbeitsgemeinschaft der Wittener Heimatvereine packte an, richtete zwei Aktionstage aus und sammelte Spenden.

 
Hildegard Priebel und Wolfgang Lippert öffneten die Tür des sonst geschlossenen Wahrzeichen für die Besucher. Rechts sieht man den Turm mit dem Wärterhäuschen dahinter.

Unter dem Motto „Für einen Euro auf den Turm“ hielten sie den Aussichtspunkt an zwei Tagen geöffnet. Die Heimatvereine stellten sich vor und boten Kaffee und Kuchen an. Diese Aktionen haben sich gelohnt, und die Besucher spendeten großzügig, denn sie möchten, dass der Turm renoviert und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Es kamen rund 8.000 Euro zusammen, die nun gemeinsam mit dem Fördergeld des Landes NRW für die Sanierung vorgesehen sind. Auch die Volksbank sammelte auf ihrem Portal „Heimathelden“ für die Renovierung des Turmes: 2.055 Euro sind bis Anfang November 2020 zusammengekommen.

NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach (li) übergab den bewilligten Förderbescheid des Landes NRW über 185.152 Euro am Montag, 27. Juli 2020, persönlich an die Stadt Witten. Mit diesem Geld aus dem Förderprogramm "Heimat-Zeugnis" NRW und einer großzügigen Spende der Sparkasse Witten in Höhe von 50.000 Euro sowie Eigenmitteln der Stadt soll die Herrichtung und Inszenierung des Turms realisiert werden. Darüber hinaus ist jedoch weitere Unterstützung notwendig, die die Wittener Heimatvereine gerne verwirklichen möchten. Denn es gibt viel zu tun an dem 30 Meter hohen Turm mit Zinnenkranz, der an einen mittelalterlichen Bergfried erinnert: Der Putz bröckelt von den mit Graffiti beschmierten Wänden (re), die Fenster und das Geländer müssen aufgearbeitet werden. Das Mauerwerk muss neu verfugt, das Dach abgedichtet werden.

Doch bis alles für die Besucher begehbar ist, wird es noch einige Zeit dauern. Nach Beendigung der Bauarbeiten sollen auf der Aussichtsplattform Schilder angebracht werden, die das Panorama genau erklären. Außerdem soll mit interaktiven Installationen an die Geschichte des Helenenturms erinnert werden. Ein weiteres Highlight ist ein "Rundbild vom Helenenturm" photogr. aufgenommen von Friedr. Goebel, Witten a. d. Ruhr - 1886. Goebel war Hofphotograf. Dieses Panaora wird in der interaktiven Installationen gezeigt. Besucher können feststellen, welche Gebäude heute noch bestehen. Schulklassen sollen auf diese Art und Weise an die Geschichte Wittens herangeführt werden, denn von oben hat man ein hervorragenden Ausblick auf die Stadt sowie die Ausläufer von Bochum und Witten. Wenn alles fertig ist, wird noch eine Web-Cam mit Blick auf das Rathaus installiert. So wird der Turm zu einem Orts des Austausches und zu einem Stück Heimatgeschichte mit historischer Strahlkraft.


Zu dem 30 Meter hohen Turmbau kam es im Jahr 1858 nach einem Streit über verbriefte Fährentgelte über die Ruhr von Witten nach Bommern. Der Fabrikant Johann-Friedrich Lohmann klagte auf Anerkennung seiner Rechte durch die verschiedenen Instanzen bis zum Gericht in Berlin. Vertreten wurde er dort von seinem Schwiegersohn Eduard Strohn. Dessen Ehefrau Helene Strohn, geb. Lohmann, starb noch während des Prozesses bei der Geburt ihres achten Kindes. Lohmann gewann den Prozess und er bekam den strittigen Geldbetrag ausgezahlt, der sich auf einem Sonderkonto angesammelt hatte. Justizrat Eduard Strohn verzichtete auf sein Honorar und erbaute von diesem Geld zu Ehren seiner Frau Helene dieses Privatdenkmal. „So ist dieser grandiose Aussichtspunkt auch eine steingewordene Liebeserklärung“, meint Stadtführerin Hildegard Priebel, „sozusagen das Taj Mahal von Witten.“

Zur Neueröffnung und Einweihung des renovierten Denkmals ist ein Heimattag am Helenenturm geplant, dazu wird die Arbeitsgemeinschaft der Wittener Heimatvereine einladen. Die Arbeitsgemeinschaft setzt sich zusammen aus dem Bürger- und Heimatverein Heven, dem Geschichtsverein Annen, dem Heimat- und Geschichtsverein Bommern, den Heimatfreunden Stockum/Düren, dem Verein für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark und dem Förderverein Westfälisches Industriemuseum Zeche Nachtigall.

Vom Helenenturm hat man den schönsten Blick auf Witten

Fotos: Wolfgang Lippert und Karoline Robbert

Die Wittener Heimatvereine bitten um Ihre Unterstützung:
Bankverbindung: Heimatfreunde Stockum/Düren e. V.
Stichwort: Helenenturm
Sparkasse Witten: DE04 4525 0035 0000 4300 82

In Stockum gibt es eine neue Straße, die nach einem alten Bauernhof benannt ist. Sie heißt Schraerweg und erinnert an eine ehemalige Hofstelle an der Himmelohstraße. Diese kleine Seitenstraße verläuft direkt neben dem Bauernhof und führt in ein kleines, geplantes Neubaugebiet. Der Ortsteil wächst weiter und eine neue Siedlung entsteht.

Der Vorschlag zu diesem Straßenamen kam von den Heimatfreunden Stockum/Düren. Sie stellten bei der Stadt einen Antrag und wiesen auf die landwirtschaftliche Vergangenheit des Bauerndorfes Stockum hin. In diesem Teil Stockums wurden bereits einige Straßen nach den Flurbezeichnungen ehemaliger Höfe benannt. So wird die Geschichte Stockums lebendig gehalten.

Martha und Alfred Schraer waren die letzten Landwirte auf dieser Hofstelle und sind vielen alten Stockumern ein Begriff. Der Hof wird bereits in der Türkensteuerliste des Jahres 1542 mit dem Namen „die Weser“ erstmals erwähnt. Bei den Landesaufnahmen des Oberamtes Bochum 1677/78, wenige Jahre nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648), trägt der Hof den Namen „Spiekermann“. Das sollte jahrhundertelang so bleiben. Von den letzten kinderlos gebliebenen Eheleuten Heinrich und Amalie Spiekermann übernahm 1919 der Neffe Emil Schroer den Hof; dessen Tochter Martha heiratete Alfred Schraer.


Das Hofgebäude an der Himmelohstraße war ursprünglich ein Fachwerkhaus und wurde erst 1930 in Ziegelbauweise umgestaltet.

Wolfgang Lippert