
Die Heimatfreunde Stockum/Düren geben Vereinen, Institutionen und Künstlern immer wieder Gelegenheit ihre Arbeit im Fenster des Heimatstübchens an der Hörder Straße 340 zu präsentieren. Derzeit können wunderschöne Landschaftsbilder der Fotografin Susanne Neitzel betrachtet werden.
Foto: Bernd Wittke

Das linke Schaufenster erinnert an die Geschichte des Bergbaus, denn auch unser Ort war mal ein Bergbauarbeiterdorf. Mehrere Kleinzechen befanden sich in früheren Zeiten in unserem Dorf, auch rund um Stockum wurde das schwarze Gold gefördert. 254 Kleinzechen waren zu Hochzeiten auf dem heutigen Wittener Stadtgebiet amtlich registriert.

Diese Exponate stammen aus dem Heimatmuseum Bochum-Langendreer, das aufgelöst wurde. Foto: Heimatfreunde
Besucher können sich bei den wöchentlichen offenen Treffen im Heimatstübchen an der Hörder Straße 340 donnerstags von 15 bis 17 Uhr über Stockumer Themen austauschen.

Foto: Karl-Heinz Thomas
Beim Heimatnachmittag am Mittwoch, 18. März, trafen sich 30 Heimatfreunde aus Stockum und Düren und erweckten mit Erlebnissen und Erfahrungen aus ihrer Kindheit diese Zeit wieder zum Leben. Den heute 90jährigen sind die letzten Kriegsjahre noch bildlich in Erinnerung, und die Nachkriegsgeneration wurde geprägt durch Wiederaufbau und Neuanfang. Beide Generationen hatten mit Entbehrungen zu kämpfen und sind sich einig: „Sie wünschen sich Frieden weltweit“.
Das Leben der Kinder in den Nachkriegsjahren spielte sich vorwiegend im Freien und der Gemeinschaft ab; die Aufsicht der Eltern war minimal, solange man bei Sonnenuntergang wieder zu Hause war. Die Klassenstärke in den Schulen war enorm, denn bis zu 50 Kinder aus mehreren Jahrgängen teilten sich einen Raum. Samstagsunterricht war Normalität und nachmittags war frei. In der Schule und im Elternhaus herrschte Disziplin, die Mithilfe im Haushalt und Garten war für uns Kinder selbstverständlich.
Während die 1950er Jahre noch von Entbehrungen und einfachen oder selbstgebastelten Spielzeugen wie Holzautos oder Stoffpuppen geprägt waren, brachte das aufkommende Wirtschaftswunder den Wandel. Das Fernsehen hielt Einzug, anfangs oft als Gemeinschaftserlebnis bei Nachbarn oder in Gaststätten. Das Radio war zu dieser Zeit das Fenster zur Welt, besonders während der Übertragung von Sportereignissen wie der Fußballweltmeisterschaft 1954 oder bei Berichten aus Friedland, als die letzten Kriegsheimkehrer wieder deutschen Boden betraten.
Man könnte noch vieles über die Zeit erzählen und darüber diskutieren, doch eines ist klar: Diese Zeit hat uns geprägt, heute sind wir 70, 80 oder gar 90 Jahre alt und es wurde ein Gleichgewicht gefunden zwischen Freiheit draußen und Strenge drinnen. Mit Einfachheit und Gemeinschaftssinn haben wir diese Zeit gemeistert, und wir hatten eine unvorstellbare Freiheit, die wir in der Natur mit Freunden verbringen konnten.
Karoline Robbert
50 Heimatfreunde aus Stockum und Düren verbrachten den ersten Heimatnachmittag Anfang 2026 auf dem Stockumer Bauernhof Große-Oetringhaus, Am Katteloh 12. Vorausgegangen war eine Veranstaltung zum Thema „Landwirtschaft gestern und heute und erst recht morgen“ im Oktober 2025. Wilhelm Große-Oetringhaus stellte daraufhin seinen landwirtschaftlichen Betrieb mit Schwerpunkt Pferdepensionshaltung vor. Wo früher Schweine, Kühe und Hühner beherbergt wurden, befinden sich heute etwa 100 Pferde, darunter auch die eigenen vier.

Wilhelm und Sylvia Große-Oetringhaus mit ihrer Deutsch Kurzhaar Jahdhündin Hilde und dem Pferd Calle. Das Ehepaar ist tief mit der Heimat verbunden und würde Stockum nie verlassen.
Der Landwirt und Pferdefachmann Wilhelm Große-Oetringhaus stellt sich vor, indem er sagt: „Ich bin Landwirt, Pferdemann, Hundemann, Fußgänger, Reiter und Jäger.“ Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht und den Schritt vom klassischen Bauernhof zum Pferdehof gewagt. Seine Frau Sylvia unterstützt ihn dabei tatkräftig, wo sie nur kann. Die Leidenschaft für die Reiterei hat sie zusammengebracht, mittlerweile sind sie 35 Jahren verheiratet und betreiben diesen Hof seit 1995 gemeinsam.

Mit den vier eigenen sind insgesamt 100 Pferde auf dem Hof untergebracht. Unterschieden wird in drei Haltungsformen:
1. Innenbox mit Fenster, 2. Paddockhaltung mit Terrasse, 3. Gruppenhaltung im Offenstall.
Die Innenboxen mit Fenster befinden sich in den alten Gebäuden. Wo früher Schweine gehalten wurden, befinden sich heute 24 Pferde.
Die Paddockboxen sind 12 Quadratmeter groß und beherbergen 48 Pferde. Sie haben eine Terrasse von 18 Quadratmetern und die Vierbeiner können selbst entscheiden, ob sie rein oder raus wollen.
Bei der Gruppenhaltung im Offenstall befinden sich sechs Pferde, getrennt nach Stuten und Wallachen, in einer Gruppe. Die Liegefläche ist mit Stroh eingestreut, für die dort untergebrachten 24 Pferde gibt es eine Terrasse von 400 Quadratmetern.
Zu den Pferden haben die Eheleute eine besondere Beziehung: Sylvia versorgt morgens die Vierbeiner, ist eng mit den Tieren verbunden, kennt alle mit Namen. Neben der täglichen Tierpflege kümmert sie sich auch um Verwaltung, Boxenvermietung und Buchführung. Die Pferde machen keine Probleme, im Gegensatz zu der zunehmenden Bürokratie.
Auch die Nachfolge dieses Betriebes ist gesichert: Sie haben zwei Töchter, wobei die jüngere später den Betrieb übernehmen wird, sie hat Pferdewirtschaft studiert und ist ausgebildete Pferdewirtschaftsmeisterin.

Dieser landwirtschaftliche Hof hat eine lange Tradition und gehört vermutlich zu den ältesten Höfen des Dorfes Stockums, mit einer Erwähnung aus dem Jahr 1486 dem Hof Alde Pasmann. Das Areal hatte historisch neben der Landwirtschaft auch Bedeutung im Bergbau. An der Stelle der heutigen Reithalle stand früher eine Scheune, die als Waschkaue der Zeche „Am Katteloh“ genutzt wurde, angegliedert war auch eine Schnapsbrennerei, die "Paschmänner" herstellte und auch vertrieb.
Dieser Heimatnachmittag vermittelte den Besuchern einen Einblick in einen landwirtschaftlichen Betrieb mit einer modernen Pferdepensionshaltung und zeigt, wie sehr sich die Landwirtschaft im Laufe der Jahrhunderte auch in unserem Dorf gewandelt hat: „Vom Ackergaul zum Pferdehof“.
Karoline Robbert
Die Fragebogenakion zum Ende des Jahres 2025 durch Karl-Heinz Thomas und Karoline Robbert ergab folgendes Ergebnis:
Mitgliederstruktur und demografische Lage:
Überwiegend ältere Mitglieder: Die meisten sind über 70 Jahre alt, gefolgt von einer Altersgruppe von 50 bis 70 Jahren. Es gibt nur einen geringeren Anteil von jüngeren Mitgliedern. Nur eine Person (in den Fragebögen) ist unter 50 Jahren und zwei unter 20 Jahren.
Geschlechterverhältnis: Dabei halten sich die Geschlechter die Waage mit leicht mehr Frauen, wobei darunter auch viele Ehepaare sind.
Zufriedenheit und Vereinsleben:
Hohe Zufriedenheit: Die Mehrzahl der Mitglieder ist mit unseren Aktionen zufrieden, insbesondere mit vielen sehr zufriedenen Personen. Die meisten schätzen die Veranstaltungen und Aktivitäten sowie die Gemeinschaft miteinander. Dabei ist noch Luft nach oben, gewünscht werden mehr Informationen auch über Historisches sowie gemeinsame Ausflüge.
Beliebte Angebote: Besonders gut angekommen sind die Dreschtage/Pflugschauen und die Vorträge mit Diskussionen, aber auch das historische Engagement, die Heimatnachmittage und Führungen durch das Dorf haben den meisten besonders gut gefallen. Gut angenommen wurde das letzte Grünkohlessen mit über 80 Teilnehmern.
Teilnahmebarrieren: Nur wenige geben Zeitmangel oder gesundheitliche Einschränkungen als Hindernis an.
Wünsche und zukünftige Aktivitäten:
Spannend wird es bei der Nachfrage zu Wünschen und zukünftigen Aktivitäten des Vereins. Die meisten wünschen sich mehr gemeinsame Exkursionen, Ausflüge und Wanderungen, aber auch die Feste, wie das Frühlings- und das Adventsfest, die neu im Programm sind kommen sehr gut an. Die Dorfgeschichte und die Tradition dürfen dabei aber nicht zu kurz kommen, wobei ein zwangloses Plaudern wie ein Dorftreff oder ein Stammtisch gerne gesehen würde. Aber auch kulturelle Veranstaltungen mit Musik, Theater oder Lesungen oder einfach nur Gemeinschaftsabende sind gefragt. Angebote für Kinder und Jugendliche sowie Familien sollte es geben, genauso wie spezielle Angebote für die ältere Generation, z.B. Begleitung und Unterstützung. Nachfrage besteht nach kulturellen und politischen Angeboten, wie gemeinsame Museumsbesuche, Fahrten zu Bundes- und Landtag, mehr Ausflüge in die nähere Umgebung (z.B. WDR Köln), Industrie in und um Stockum (Bergbau und Ziegeleien). Die historischen Rundgänge durch den Ort sollten wieder aufgenommen werden. Kalender und die Vereinsbroschüre „Einblick“ sollten wieder aufgelegt werden.
Öffentlichkeitsarbeit:
Die Öffentlichkeitsarbeit könnte verbessert werden durch frühzeitige Ankündigungen per Mail, Plakate, Aushänge und persönliche Ansprache. Die Schaufenster des Heimatvereins sind ein Hingucker und sollten weiterhin als Aushang dienen, aber auch an anderen Stellen im Ort sollten Bekanntmachungen recht frühzeitig zu sehen sein. Die Berichte und Ankündigungen sollten weiterhin in der Presse erscheinen. Die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen, auch Heimatvereine, Medien, Schulen, Kindergärten sollte ausgebaut werden. Auch eine Schulpartnerschaft könnte sinnvoll sein mit Heimatkunde als Schulunterricht. Zu Schulanfang sollte es Gespräche mit der Schule geben, wofür ein geeignetes Team gebildet werden soll. Der Umweltschutz sollte nicht zu kurz kommen, wobei die Vereine wie NaWit und Nabu mit Aktionen einbezogen werden können. Die Zusammenarbeit mit Marek Schirmer sollte verstärkt werden. Ein Mitglied gibt zu bedenken: „Die Heimatfreunde sollten sich nicht verzetteln mit zu vielen Angeboten“.
Mitarbeit und Engagement:
Da gibt es viel Erfreuliches zu berichten: Einige Mitglieder würden uns gerne bei Aktionen und Festen unterstützen, wobei sich 11 Mitglieder namentlich angeboten haben. Sei es bei Organisation und Planung, Bewegung und Naturaktionen, Seniorenarbeit, Handwerk, Technik und Aufbau, aber auch ein „Runder Tisch Stockum“ sollte gegründet werden. Zwei Mitglieder würden gerne beim Einblick und Kalender helfend zur Seite stehen.
Gemeinschaft: Die Stärkung der Gemeinschaft im Verein ist den meisten wichtig, gefolgt von sehr wichtig. Die Heimatnachmittage mit Kaffee und Kuchen sollten wie bisher einmal im Monat stattfinden, wobei an Kaffee und Kuchen nicht gespart und der Tisch mit Blumen und Deko geschmückt werden soll. Einmal im Monat wünscht sich die Gemeinschaft ein Dorfkino mit ausgesuchten guten Filmen.
Abschluss und Empfehlungen:
Das Heimatstübchen, der Mittelpunkt unseres Vereins, sollte wie bisher einmal in der Woche für zwei Stunden geöffnet sein, als gemütlicher Mehrzweckraum (Vereins-Wohnzimmer), als Bibliothek mit kleineren Lesungen oder zum Nachschlagen (Archiv über Stockum) und als Stockumer Info-Punkt. Auch sollte es ab und zu am Wochenende für Berufstätige öffnen.
Fazit:
Der Verein möchte jüngere Mitglieder gewinnen. Angebote sollen gepflegt und erweitert, aber nicht überfrachtet werden. Der Fokus liegt auf Qualität und Gemeinschaft. Die meisten Mitglieder schätzen und sind zufrieden bis sehr zufrieden mit dem aktuellen Vereinsleben, das Programm sei gut, ist aber noch ausbaufähig. Geschätzt werden vor allem die Aktivitäten und Veranstaltungen sowie die Gemeinschaft miteinander. Dabei bleiben noch Wünsche offen wie mehr Informationen über Historisches und nach mehr gemeinsamen Ausflügen und Aktivitäten. Aber alles Zusätzliche hängt natürlich von der Machbarkeit in personeller Hinsicht ab. Helfende Hände sind daher sehr gefragt.
Ihre Heimatfreunde Stockum/Düren
