Der nächste Heimatnachmittag mit Kaffee und Kuchen findet Mittwoch, 18.3.26, von 16 bis 18 Uhr Paul-Gerhardt-Haus, Mittelstraße 9, statt. Zum Thema: Meine Kindheit - „Da war was los!", sollen Erfahrungen und Erlebnisse ausgetauscht werden. Dönekes und Streiche, aber auch Missgeschicke und Glücksmomente aus den 1940er, 1950er und 1960er Jahren sollen zum Leben erweckt werden.

Die Kindheit in den 1950er und 1960er Jahren war geprägt vom Kontrast zwischen dem harten Wiederaufbau nach dem Krieg und dem aufkommenden „Wirtschaftswunder“. Es war eine Zeit, in der sich das Leben vorwiegend im Freien und in der Gemeinschaft abspielte. Die Straße war sozusagen das verlängerte Wohnzimmer, da kaum Autos fuhren und wir Kinder dort ungestört Fußball spielen, Seilchen springen, Pinnchen oder Murmeln werfen konnten. Man traf sich ohne Verabredung; aber meistens in Rufweite der Eltern, und wer draußen war, war dabei! Die Aufsicht durch die Eltern war minimal, solange man pünktlich zum Abendessen zuhause war.

In der Schule und im Elternhaus herrschte normalerweise eine strenge Hierarchie: Disziplin, Gehorsam und Fleiß galten als Tugenden, körperliche Züchtigung war in vielen Elternhäusern und den Schulen noch trauriger Alltag. Die Klassenstärken waren sehr unterschiedlich: manchmal saßen 50 Kinder in einem Raum – oft gehörten sie aber gleichzeitig zu mehreren Jahrgängen, und vorne standen ein Kriegsversehrter als Lehrer oder ein „Fräulein“ als Lehrerin. Samstagsunterricht war Normalität und der Nachmittag war selbstverständlich frei. Diese Freizeit bestand – auch fast selbstverständlich - oft aus Mithilfe im Haushalt oder im Garten.

Während die 1950er noch von Entbehrungen und einfachen oder selbstgebastelten Spielzeugen wie Holzautos oder Stoffpuppen geprägt waren, brachten die 60er Jahre den Wandel: Das Fernsehen hielt Einzug, anfangs oft als Gemeinschaftserlebnis bei den Nachbarn, wo bereits ein riesiges Gerät vorhanden war, oder in Gaststätten. Und das Radio wurde zum Fenster zur Welt, besonders während der Übertragung von Sportereignissen wie der Fußballweltmeisterschaft 1954 oder bei Berichten aus Friedland, als die letzten Kriegsheimkehrer erstmals wieder deutschen Boden betraten.

Lebhaft in Erinnerung geblieben sind auch die Zeiten des Rock ’n’ Roll und später der Beat-Musik, als die Kluft zwischen den Generationen spürbar und nachhaltig vertieft wurde. Zusammenfassend war diese Zeit geprägt von Freiheit draußen, aber auch gleichzeitig von Strenge drinnen. Kinder genossen damals zwar eine kaum noch vorstellbare Unbeschwertheit in der Natur und in der Gruppe der Gleichaltrigen und Freunde, mussten sich aber wie selbstverständlich einem autoritären Gesellschafts- und Familiensystem unterordnen.

Das alles und noch viel mehr hat uns geprägt ….und heute sind wir 70, 80 oder gar 90. Wir blicken auf diese Zeit zurück und lassen die wieder lebendig werden. 

Ihre Heimatfreunde