Die Arbeitsgemeinschaft Wittener Heimatvereine hat die Idee von Wolfgang Lippert - in seiner Funktion als Mitglied im Denkmalbeirat und Vorsitzender der Heimatfreunde Stockum/Düren - aufgegriffen, um zu einem Heimattag am Helenenturm einzuladen. Dieser Tag diente dazu, um auf den sehr renovierungsbedürftigen Turm aufmerksam zu machen. Das sonst geschlossene Wahrzeichen war am Samstag, 27. April 2019, und am Tag der offenen Denkmals am Sonntag, 8. September, für die Öffentlichkeit zugänglich.


Wolfgang Lippert traf mit seiner Idee zu dieser gemeinsamen Aktion auf offene Ohren bei den Heimatvereinen und hielt die Tür des Helenenturmes für einen Tag geöffnet. Rechts sieht man den Turm mit den Wärterhäuschen dahinter. Es hat bereits einen neuen Besitzer gefunden und wird zurzeit renoviert.


Der Zustand im Inneren des Helenenturms sorgt viele Wittener – er ist seit zig Jahren mit Graffiti beschmiert, der Putz bröckelt ab, das Geländer ist verrostet und auch das Dach ist nicht ganz dicht.

„Der Helenenturm prägt das Stadtbild Wittens, er ist so etwas wie das „Taj Mahal Wittens“, erläuterte Hildegard Priebel, die als Helene die Besucher hinauf begleitete. Da hat jemand seiner verstorbenen Ehefrau ein Denkmal gesetzt und dieses sollte öffentlich zugänglich sein. Der 30 Meter hohe Aussichtsturm ist seit 1909 Eigentum der Stadt; er ist robust und sicher gebaut, doch von innen verwahrlost und dies ärgert so manchen Wittener.


Wie sich die Fotos gleichen: Mit Haube und historischer Kleidung schlüpfte Hildegard Priebel in die Rolle der Helene Katharina Lohmann (geb. 1784, gest. 1866). Sie war die Mutter von Helene Lohmann. Die Tochter Helene (geb. 1820, gest. 1856) wurde nur 36 Jahre alt. Der Aussichtsturm wurde 1858 als Privatdenkmal des Justizrats Eduard Strohn erbaut, zu Ehren seiner Frau Helene Strohn, geb. Lohmann. Diese historische Geschichte über das Leben der Familie Lohmann und was zur Erbauung dieses Turmes führte, vermittelte Hildegard Priebel den interessierten Besuchern.


Früher und heute: Meterlange Panoramabilder  vervollständigten den Rundblickblick. Das war  eine der seltenen Chancen, die 144 Stufen zu erklimmen, um eine unvergleichliche Aussicht über Witten genießen zu können. Oben auf der Plattform angekommen wird man für den Aufstieg mit einem einmaligen Panorama entschädigt und man blickt über weite Teile des Stadtgebietes.


Auch bei schlechtem Wetter kann man gute Bilder machen“, meinte Hobbyfotograf Thomas Becker (links). Nicht nur Hobbyfotografen nutzten die Gelegenheit den Turm zu besteigen und auch Reporter verschiedener Zeitungen berichteten über diese Aktion. Alle löcherten die Turmführerin Hildegard Priebel vom Geschichtsverein Annen mit zahlreichen Fragen. Schon als Kinder waren wir auf dem Turm meinten die Erwachsenen und die Kinder fragten: „Ist das der Turm von Rapunzel?“  Eine 93-Jährige ist extra aus Bochum-Langendreer angereist, um den Turm zu besteigen, den sie von ihrem Schlafzimmerfenster aus erblicken kann. Die Besucher wünschen sich eine dauerhafte Öffnung des Turmes: „Ich wohne gleich um die Ecke, war aber noch nie auf dem Turm“, diese Aussage wurde oft gehört.  „Könnte man den Turm nicht für Feste, Trauungen, Ausstellungen und andere Festivitäten herrichten?“, lauteten die Fragen, die wir gerne an die Stadt weiterleiten.


Die untere Denkmalbehörde stellte laminierte Göbel-Panoramafotos von 1886 zur Freude der Besucher aus. Wenn man diese Schwarz-Weiß-Bilder mit der heutigen Aussicht vom Turm vergleicht, sieht man, wie Witten sich verändert hat. Dies bezeugen auch ein Video und eine CD von Davide Bentivoglio „Wittener Panoramen von 1886 und 1993“. „Mit diesem 360-Grad-Panoramabild hat uns Friedrich Goebel nicht nur ein fotografisches Meisterwerk hinterlassen: Es ist auch ein Zeitdokument von unschätzbarem Wert“, erklärte der Fotograf Davide Bentivoglio.


Bei schöner, klarer Sicht sind sogar Ausläufer von Bochum und Dortmund zu erkennen. Rund 100 kleine und große Besucher nutzen die Möglichkeit, den sonst geschlossenen Turm zu besichtigen.

Die Heimatvereine, die sich extra für diese Veranstaltung zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen haben, organisierten diesen Aktionstag und sammelten Spenden für die Renovierung des 1858 erbauten Gebäudes. Am Fuße des Turms am Helenenbergweg informierten die Ehrenamtlichen zur Wittener Geschichte. Es beteiligten sich an dieser Aktion der Bürger- und Heimatverein Heven, der Geschichtsverein Annen, die Heimatfreunde Stockum,/Düren, der Verein für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark, der Förderverein Westfälisches Industriemuseum Zeche Nachtigall und der Heimat- und Geschichtsverein Bommern. Die Vereine stellten sich vor und zeigten auf, wie wichtig ihre Arbeit ist. Denn nur so kann die Geschichte unserer Stadt lebendig gehalten werden.


„Für einen Euro auf den Turm“, lautete das Motto. Doch die meisten Besucher spendeten großzügig, denn sie möchten, dass der Turm renoviert und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird


Sie trotzten dem unbeständigen Wetter: Die Ehrenamtlichen der Heimatvereine freuten sich über jeden, der sich vom Wetter nicht abhalten ließ, um sich zu informieren und den Turm zu besteigen. Klaus Weinhold vom Bürger- und Heimatverein Heven und Hardy Priester vom Verein  für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark (rechts) hielten Broschüren  und Bücher  für die Besucher bereit.


Viel Engagement zeigten die Ehrenamtlichen der Heimatfreunde Stockum/Düren:
v. li.: Roswitha Bode, Karoline Robbert, Wolfgang Lippert und Volker Brüggemann.


Roswitha Bode und Wolfgang Lippert (links) sorgten mit Würstchen für das leibliche Wohl und auch Irene Rumpler vom Verein für Orts- und Heimatkunde in der Grafschaft Mark ließ es sich schmecken. Gefragt waren auch die historischen Kunstkacheln mit den Wittener Stadtmotiven. Karoline Robbert (rechts) zeigt hier die Kachel mit dem Bild des Helenenturms. Die Kunstkacheln wurden in den Jahren 1982 bis 1991 von der Wittener Sparkasse herausgegeben und haben bereits einen Kultstatus erlangt.


Jede Menge selbst gebackene Kuchen, aber auch Kuchenspenden der Bäckereien Hausemann-Schluck und Weidler sorgten gemeinsam mit Kaffee und anderen Getränken für das leibliche Wohl der Besucher.

Der Erlös aus dieser Veranstaltung (über 2.500 Euro) wird für die Renovierung zur Verfügung gestellt.

Fazit: Trotz des schlechten Wetters interessierten sich viele Wittener für den sonst geschlossenen Turm. Die Heimatvereine planen für die Zukunft noch weitere Aktionen dieser Art, um die Kulturgüter dieser Stadt zu erhalten.

Text: Karoline Robbert (Archivarin) - Fotos: Heimatfreunde Stockum/Düren


Dr. Reinhold Busch (zweiter von rechts) erinnerte an das Schicksal der jüdischen Familie Rosenthal.

36 Heimatfreunde aus Bommern, Stockum und Annen waren gekommen, um sich über das Schicksal der jüdischen Familien Rosenthal im Ruhrgebiet zu informieren. Eingeladen dazu hatte der Geschichtsverein Annen am Montag, 28. Januar, ins Hotel Specht. Dr. Reinhold Busch las aus seinem Buch „Verstreut über alle fünf Kontinente“. Er forschte mehrere Tage im Archiv in Münster und hatte Kontakt mit rund 200 Nachkommen der Familien Rosenthal. „Die meisten Rückmeldungen bekam ich per E-Mail und viele davon waren sehr dramatisch“, so der Autor. In dem Buch geht es um ein Stück nicht so erfreuliche Geschichte aus der NS-Zeit. Es handelt von dem Aufstieg zweier Brüder der jüdischen Familie Rosenthal, die auch in Annen und Stockum erfolgreiche Geschäftsleute waren. Während des Holocaust verloren 17 Familienmitglieder ihr Leben, während den übrigen die Auswanderung glückte. Sie konnten in ihren neuen Heimatländern Fuß fassen und neue Existenzen aufbauen.

Ausführlich geschildert werden die Erinnerungen der Familien in Form von Dokumenten, zahlreichen Bildern und Biografien. Aufgezeigt wird das Leben der Familien vor der Machtergreifung, die Mechanismen der Ausplünderung, der Schikanen und Entrechtung sowie die physische Vernichtung während der NS-Zeit. Es geht aber auch um den Wiederaufstieg nach der Emigration, denn heute zählen mehr als 200 Nachkommen zur Oberschicht in ihren neuen Heimatregionen. Eine packende Biografie über das Leben zweier Brüder und eine Geschichte über Aufstieg, Fall und Wiederaufstieg der jüdischen Familie Rosenthal.

Karoline Robbert


„Rund 70.000 Bürgerinnen und Bürger besuchen jedes Jahr den Landtag in NRW“, so Angela Freimuth. Und auch die Heimatfreunde Stockum/Düren statteten dem Landtag am Mittwoch, 14. November 2018, einen Besuch ab. Vor unserem Eintritt in das architektonisch beeindruckende Gebäude erkundeten wir das Düsseldorf Rheinufer am Medienhafen.

„Der Landtag ist das Haus der Bürgerinnen und Bürger“, so begann die Einführung: Hier erfuhren wir alles Wichtige rund um das nordrhein-westfälische Parlament und die Tätigkeiten der Abgeordneten. Der Landtag verabschiedet die Gesetze des Landes, nachdem die Abgeordneten entsprechende Entwürfe zuvor in den Ausschüssen und im Plenum beraten und debattiert haben.

Der Plenarsaal ist ein offenes Fenster zur Öffentlichkeit und Besucher sind jederzeit willkommen. Hier passiert nichts Geheimes, alles wird protokolliert und auch ins Internet gestellt. Wir konnten eine Plenarsitzung von der Besuchertribüne aus verfolgen. Zwei interessante Punkte wurden gerade verhandelt. Dabei ging es um den Kohleausstieg und die Digitalisierung. In einer Fragestunde debattierte Minister Prof. Dr. Andreas Pinkwart mit den Abgeordneten. Und auch die Grünen-Abgeordnete Verena Schäffer stellte Fragen zu diesem Thema. Bei dem anschließenden Beratungsverfahren ging es um die Digitalisierung, auch ein zurzeit sehr interessantes Thema. Und über allem wachte die Vizepräsidentin Angela Freimuth, die uns zu einer anschließenden Diskussion empfing.

Foto Lantag NRW, Text: Karoline Robbert

22 Exponate - Fotoapparate, Filmkameras, Projektoren sowie ein Kopier- und Vergrößerungsgerät - spendeten die Heimatfreunde Stockum/Düren an das „3F – das Deutsche Museum für Foto, Film- und Fernsehtechnik in Deidesheim. Dr. Wolfgang Immel (Vorstand des Fördervereins und Gründer des Museums), Udo Uhrig (ehrenamtlicher Foto-Spezialist und Sachverständiger), Ernst Probst (zuständig für Ton- und Filmtechnik) v.li. freuten sich über die Spende und nahmen sie von Karoline Robbert (Archivarin der Heimatfreunde Stockum/Düren) dankend entgegen. Die alten Schätze stammen aus der Ausstellung zum Thema Foto und Film im Schaufenster der Heimatfreunde. Alle Exponate wurden von Wittener Bürgern gespendet.

Im „3F – das Deutsche Museum für Foto-, Film- und Fernsehtechnik“ in Deidesheim selbst gibt es jede Menge zu entdecken. Von den ersten Glasplattenkameras bis zu digitalen Fotokameras spannt sich die Bandbreite. Zu sehen gibt es auch die größten und die kleinsten Fotoapparate. Ansteckbare und klappbare Rollfilmkameras, Spiegelreflex-, Systemkameras und jede Menge Zubehör erfreuen das Herz eines jeden Sammlers. Faszinierend ist auch der Bereich Filmtechnik, hier kann man viele alte Kameras und Projektoren bewundern: Von Geräten mit Handkurbelbetrieb bis zu elektronischen und vollautomatischen Filmkameras verschiedener Formate. Anhand anschaulicher Modelle werden die Grundlagen der Fernseh- und Videotechnikg dargestellt.

Foto: Günter Robbert