Die jährliche Exkursion der Heimatfreunde Stockum/Düren führte uns am 12. Juni 2018 in eine Dokumentationsstätte der besonderen Art, die sogar zum europäischen Kulturerbe erklärt wurde. Es war einmal der geheimste Ort unserer Republik und befindet sich in der Südeifel bei Bad Neuenahr-Ahrweiler. Der ehemalige Regierungsbunker öffnete für uns seine atombombensicheren Tore. Die Fassadenplatten aus Stahl am Eingang des früher streng abgeschirmten Bunkers verfärben sich mittlerweile rostrot, und wir gelangen in eine Unterwelt, die es offiziell nie gegeben hat. Ein „Hotel zum letzten Stündchen“, wie das Wartungspersonal dieses Tunnelsystem taufte.


Der Eingang in die Unterwelt.

110 Meter tief unter den Weinbergen an der Ahr verbirgt sich dieses Dokument des "Kalten Krieges": Der Regierungsbunker, der im Amtsdeutsch „Ausweichsitz der Verfassungsorgane des Bundes im Krisen- und Verteidigungsfall zur Wahrung derer Funktionstüchtigkeit“ genannt wird. Er wurde nach dem Zweiten Weltkrieg –
genauer gesagt bis 1971 – errichtet und sollte die politische Elite vor einem Atomangriff schützen.


Das Präsidialamt und das Schlafzimmer des Bundeskanzlers.

Dieser Bunker hatte Platz für 3000 sogenannte Funktionsträger, dazu zählten auch der Bundeskanzler und der Bundespräsident. Unter größter Geheimhaltung entstand unter den Weinterrassen und Wanderwegen im Ahrtal eine Kleinstadt. In zwei niemals fertiggestellten Eisenbahntunnels entstand unter größter Geheimhaltung in den Jahren 1960 bis 1972 ein Bunkersystem von insgesamt 17,3 Kilometer. Dieses Tunnelsystem sollte vor einem Atomangriff schützen, denn es lag nur rund 25 Kilometer von der damaligen Hauptstadt Bonn entfernt.


Die Tunnelanlage im Quer- und Längsschnitt.

Wenn man den Bunker betritt und die riesigen Tore sieht, wird einem schon ein bisschen mulmig. Es riecht muffig und man fragt sich, wie hätte man hier überlebt, falls es zu einem Atomangriff gekommen wäre. Heute weiß man, die Bunkeranlage hätte gerade mal einer 20-Kilotonnen-Bombe standgehalten, vergleichbar mit der Sprengkraft einer Hiroshima-Bombe. Und auch das simulierte, ohrenbetäubende Geräusch, wenn sich das Haupttor schließt, löst Beklemmungen aus.

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Warnhinweis bei einem 25-Tonnen-Tor und endlos lange Tunnel.

Gleich hinter dem Eingang befand sich eine Dekontaminationsanlage. Diese sollte Menschen, die mit Radioaktivität in Berührung kamen, reinigen, damit keine Strahlung in den Bunker gelangen konnte. Es gab zwei Tiefenbrunnen, Luftfilter, Stromaggregate, fünf Kantinen und eine ökumenische Kirche, Operations- und Sanitätsräume, Plenarsäle, ein Ersatzteillager, Büros und Werkräume. Die Wohn-und Schlafräume lagen im oberen Geschoss.

 
Das Zentrum der Macht - im sogenannten sicheren Teil des Bunkers befanden sich eine Kommando- und Kommunikationszentrale.


Es gab mehrere Waschräume und Schlafkammern mit vier Etagenbetten.


Hier befanden sich ein Fernsehstudio für Live-Übertragungen und sogar einen Friseursalon.


Im Krankenzimmer und auch der auch der Zahnarzt konnte hier bohren.


Die Vorräte für die Küche hätten etwa 30 Tage gereicht.


Im Kontrollraum befinden sich Schutzanzüge und Gasmasken für den Notfall.

Der Bunker wurde 1997 stillgelegt und bis 2005 demontiert; das Staatsgeheimnis wurde ausrangiert. Die Regierung gab den Bunker auf und suchte eine kommerzielle Nutzung. So konnte mit Unterstützung des Heimatvereins Alt-Ahrweiler ein 203 Meter langes Stollenstück mit originalen Einrichtungsgegenständen erhalten werden.


Damit die Besucher sich eine Vorstellung von den ursprünglichen Ausmaßen dieses Relikts des "Kalten Krieges" machen können, wurde am Ende des Ganges ein Gitter installiert und man schaut durch eine Röhre tief in den Berg hinein.

Text: Karoline Robbert. Fotos: Jürgen Kaufmann und Karoline Robbert